Warum eine optimale Sozialisierung und Umweltgewöhnung
mit das Wichtigste für den Hund ist
Die natürliche und artgerechte Entwicklung
In der Natur würde ein Welpe bis zum Erwachsenenalter in seinem Familienverband aufwachsen. Er lernt duch Beobachtung seiner Eltern, schaut sich deren Umgang mit verschiedenen Situationen ab und orientiert sich an ihrem alltäglichen Handeln. Auf dieser Basis probiert sich der Welpe aus und sammelt eigene Erfahrungen. Durch das direkte Feedback seines Umfeldes lernt er, dass sein Handeln positive wie auch negative Konsequenzen hat. Auch die Wurfgeschwister spielen hierbei eine entscheidende Rolle:
Im gemeinsamen Spiel und Kräftemessen lernen sie, sich miteinander auseinanderzusetzen und
Grenzen zu testen.
Nun kommt der Welpe mit 10-12 Wochen zu uns.
Wie können wir nun ein optimales Aufwachsen des jungen Hundes bei uns ermöglichen?
Hunde und ihre "Probleme"
Wenn der Hund gelernt hat, dass weder fremde Menschen noch Hunde ein Problem für ihn und seinen Besitzer darstellen, wird der eigene Hund somit auch zu keinem "Problem" für die Umwelt.
Das Gleiche gilt für Umweltreize, wie Autos, Züge, Menschenmenge oder laute Geräusche: Wenn er sich daran gewöhnen durfte, verlieren auch diese an Wichtigkeit.
Natürlich spielen hierbei auch die Persönlichkeit und die Genetik eine grosse Rolle. Wenn wir uns den Hund genauer anschauen: Was für einen Hund habe ich da eigentlich vor mir und was braucht dieser Hund, um sicher durch den Alltag zu gehen? Wo ist es noch normales Hundeverhalten und ab wann wird es schwierig?
Wenn er sich an Umweltreize, wie Autos, Zug, verschiedene Geräusche usw. gewöhnen konnte, stellen auch diese für ihn kein Problem dar. Natürlich spielt hier auch seine Persönlichkeit und die Genetik eine Rolle, hier gilt es zu sehen, was habe ich für einen Hund und was braucht dieser, um im Alltag sicher zu sein. Was ist noch normales hündisches Verhalten
und wo wird es zu einem Problem.
Der Halter wird hierzu automatisch zu einem Vorbild für den eigenen Hund, wie bewegt sich der Halter im Alltag, wie geht er mit bestimmten Situationen um. Dies schaut sich der Hund ab und übernimmt diese dementsprechen. Meistens setzen wir dem Hund unbewusst negative Trigger, die ihm eine falsche Information weitergeben, also eine Information, die wir so eigentlich gar nicht wollten. (z.Bsp. das Zurückziehen des eigenen Hundes über die Leine, weil er doch nicht zu dem fremden Menschen gehen soll.)
Wenn der Hund jedoch eigene Erfahrungen sammeln kann, sich mit seiner Umwelt auch wirklich auseinandersetzen darf, den Halter als Vorbild respektiert und sich an ihm orientiert.
Weiss der Halter worauf es ankommt und worauf man achten muss, wird der Hund von ganz alleine immer entspannter.
Dieses Alltagstraining funktioniert übrigens ganz ohne Leckerlis. Bei Futter wäre der Hund mit dem Kopf gar nicht bei der richtigen Sache. Sein Fokus läge beim Futter und nicht im Aussen. Um aber wirklich sicher im Umgang mit der Umwelt zu werden, muss er die Reize bewusst wahrnehmen und verarbeiten können. Er braucht die Interaktion damit, um es für sich selber richtig einordnen zu können.
Kommandos werden natürlich im Alltag mit integriert, dort wo es nötig ist.
Warum pöbelt der Hund an der Leine?
Hierfür gibt es verschiedene Gründe:
-- Frust, weil er gerne hingehen möchte, aber nicht kann oder darf
-- weil er unerfahren/unsicher ist. Er hat nie gelernt, wie mit dem Gegenüber umzugehen ist, weil er keinen oder zu wenig Sozialkontakt mit Artgenossen hat.
-- Lernerfahrung, wenn ich pöble geht das Gegenüber weg
-- Status, meine Strasse, mein Weg
-- Falscher Input vom Halter, z.Bsp. blockieren, festhalten/zurückziehen an der Leine, ständiges ausweichen, falsche Stimmung, beschützen wollen

Was es hier nicht braucht:
-- Ablenkung durch Leckerligabe
-- reine Korrektur, um das Verhalten "nur" abzustellen
Was es braucht:
-- definitive Ursache für das Verhalten finden
-- Sozialisierung mit anderen Hunden, damit der Hund lernt mit anderen Hunden richtig zu kommunizieren, diese richtig einzuschätzen und um toleranter zu werden
-- Neue Abspeicherung des neuen Verhaltens dadurch, dass man die Begegnungen wieder hat und eine Gewöhnung stattfinden kann
-- Selbstreflexion des Hundehalters. Wie bin ich selbst unterwegs, was mache ich genau in der Situation, bin ich Orientierungspunkt für meinen Hund?
Es gilt die jeweiligen Puzzleteile zu erkennen und umzusetzen, damit Hundebegegnungen wieder entspannt sein können.